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Finanzen.de Erfahrungen: Seriöse Finanzberatung oder Leadbörse?

Wenn Sie online nach einem passenden Finanzprodukt suchen – sei es im Bereich Versicherungen, Altersvorsorge, Kredite oder Geldanlage – stoßen Sie früher oder später auf das Finanzportal Finanzen.de. Doch wie seriös ist der Anbieter wirklich? Welche Erfahrungen haben andere Verbraucher, Berater und Interessenten mit der Plattform gemacht? Und worauf sollten Sie achten, bevor Sie Ihre Daten hinterlassen?

In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf Finanzen.de Erfahrungen: von Kundenbewertungen, funktionalen Aspekten des Portals bis hin zu kritischen Einschätzungen und aktuellen Warnhinweisen – unter anderem durch die Stiftung Warentest.

Finanzen.de im Überblick: Was bietet das Portal?

Die Finanzen.de GmbH – ehemals Finanzen.de AG – mit Sitz in Berlin, betreibt ein umfangreiches Internetportal zur Vermittlung von Finanzprodukten und Versicherungen. Das Unternehmen versteht sich als Schnittstelle zwischen Verbrauchern mit konkretem Beratungsbedarf und Finanzexperten in ganz Deutschland. Dabei arbeitet Finanzen.de laut eigenen Angaben mit einem weitreichenden Netzwerk aus Versicherungsexperten, Maklern und spezialisierten Beratern zusammen.

Ziel sei es, dem Nutzer auf Basis seines individuellen Bedarfs ein passendes Angebot zu vermitteln – schnell, unkompliziert und in Echtzeit. Ob Berufsunfähigkeitsversicherung, Altersvorsorge oder Geldanlage: Finanzen.de verspricht Unterstützung bei der Auswahl des passenden Tarifs und eine direkte Antwort durch einen geeigneten Experten.

Angebotene Dienstleistungen: Versicherungen, Kredite und mehr

Das Angebot von Finanzen.de ist breit aufgestellt. Der Fokus liegt klar auf klassischen Versicherungen wie:

Darüber hinaus vermittelt das Vergleichsportal auch Kredite, Baufinanzierungen und Lösungen zur Geldanlage. Im Rahmen der Expertensuche sollen Sie mit einem Versicherungsexperten oder Finanzberater in Kontakt kommen, der individuell auf Ihre Fragen eingeht und Ihnen passende Produkte empfiehlt. Das System basiert auf dem Prinzip der Echtzeitvermittlung – wobei sich ein Berater telefonisch oder per E-Mail bereits kurz nach dem Absenden der Nachricht melden soll.

So funktioniert Finanzen.de: Vermittlung von Finanzprodukten

Der Ablauf auf Finanzen.de scheint auf den ersten Blick denkbar einfach: Sie geben online Ihren Wunsch an – etwa nach einer bestimmten Versicherung oder einer Beratung zu einem Finanzthema – und erhalten anschließend passende Angebote von vermeintlichen Experten aus dem Finanzbereich. Dabei werden Ihre Angaben an angeschlossene Berater, Makler oder Dienstleister aus dem Netzwerk des Portals weitergeleitet – die sogenannten Leads.

Die Plattform funktioniert somit als Leadanbieter bzw. Leadbörse. Für jeden vermittelten Interessenten erhält Finanzen.de eine Zahlung von den kooperierenden Anbietern. Diese Struktur ist in der Branche gängig, verlangt jedoch Transparenz – insbesondere im Umgang mit personenbezogenen Daten. Wer ein Gespräch über das Portal startet, sollte sich bewusst sein, dass damit der Kauf eines qualifizierten Leads durch einen externen Berater erfolgt.

Finanzen.de als Plattform für Berater

Neben der Vermittlung von Finanz- und Versicherungsprodukten an Verbraucher bietet Finanzen.de auch einen eigenen Beraterservice an. Über diesen können registrierte Vermittler Leads, also qualifizierte Kundenanfragen, erwerben. Der Service richtet sich an Versicherungsvermittler und Finanzberater, die auf der Suche nach neuen Interessenten für ihre Produkte und Dienstleistungen sind.

Im Rahmen der Registrierung müssen Berater unter anderem Angaben zu ihrer Vermittlernummer, gewünschten Produktsparten und ihrer Anbindung an Partnerunternehmen wie die Fonds Finanz Maklerservice GmbH machen. Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten sie Zugang zu einem digitalen System, über das Leads entweder manuell über eine Leadbörse oder automatisiert über Leadkampagnen bezogen werden können.

Zudem bietet Finanzen.de ein Moneyback-System an, bei dem unter bestimmten Voraussetzungen ein kostenloser Lead gutgeschrieben werden kann – etwa bei einem erfolgreich vermittelten Vertrag. Der Beraterservice versteht sich als technisches und vertriebliches Bindeglied zwischen Anbieter und Endkunde innerhalb des Finanzen.de-Netzwerks.

Kritische Stimmen: Negative Erfahrungen und Beschwerden von Kunden

Ein Blick auf die Bewertungen bei Trustpilot zeigt ein deutlich kritisches Stimmungsbild: Finanzen.de wird dort aktuell mit nur 1,9 von 5 Sternen bewertet (Stand: Juni 2025). Die Erfahrungen vieler Nutzer fallen entsprechend negativ aus. Besonders häufig kritisiert wird die aggressive Kontaktaufnahme nach einer Anfrage – oft melden sich innerhalb kurzer Zeit mehrere Berater, obwohl nur eine einfache Information gewünscht wurde.

Auch die Art der Datenverwendung steht im Zentrum der Kritik: Einige Verbraucher fühlen sich unzureichend informiert darüber, wie und an wen ihre persönlichen Daten weitergegeben werden. Der Eindruck, es handle sich primär um eine Leadbörse, bei der Leads mehrfach verkauft werden könnten, verunsichert viele Kunden. Hinzu kommen Beschwerden über Kosten, unklare Angebote und teilweise mangelnde Transparenz im weiteren Verlauf der Beratung.

Die negative Bewertung bei einem unabhängigen Portal wie Trustpilot spricht eine deutliche Sprache – und sollte für interessierte Verbraucher ein Anlass sein, vor der Nutzung des Portals genau abzuwägen, ob das Modell von Finanzen.de zum eigenen Wunsch und Bedarf passt.

Warnungen und rechtliche Auseinandersetzungen

Neben kritischen Kundenbewertungen und datenschutzbezogenen Bedenken hat Finanzen.de auch rechtliche Aufmerksamkeit erregt. Sowohl ein Urteil des Landgerichts Berlin als auch eine Veröffentlichung der Stiftung Warentest werfen ein ernstzunehmendes Licht auf das Geschäftsmodell des Portals. Besonders im Fokus stehen dabei die Kriterien, nach denen sogenannte Finanzexperten an Verbraucher vermittelt werden – und die Qualität der darauf folgenden Beratung.

Das Internetportal Finanzen.de bewirbt seine Dienstleistung mit dem Versprechen einer kostenlosen und unabhängigen Beratung durch qualifizierte Experten. Tatsächlich basiert das Geschäftsmodell jedoch auf dem Verkauf der durch Nutzeranfragen generierten Leads an externe Berater oder Anbieter – teilweise mit zweifelhafter Reputation im Finanzbereich. Diese Praxis hat nun rechtliche Konsequenzen nach sich gezogen.

Urteil des Landgerichts Berlin gegen Finanzen.de

Am 12. Mai 2023 verurteilte das Landgericht Berlin (Az. 3 O 389/22) die Finanzen.de GmbH zur Zahlung von 48.750 Euro Schadensersatz plus Zinsen. In dem verhandelten Fall hatte das Portal einem Kläger die Euro Concept AG als Experten vermittelt – ein Unternehmen, das keine unabhängige Beratung, sondern ausschließlich eigene Finanzprodukte verkaufte und mittlerweile insolvent ist.

Das Gericht stellte eine Vertragsverletzung fest, da laut Urteil weder eine unabhängige Beratung noch die Vermittlung eines qualifizierten Finanzexperten erfolgte. Vielmehr habe Finanzen.de keine nachvollziehbare Prüfung der fachlichen Qualifikation vorgenommen. Die eingesetzten Kriterien wurden vom Gericht als „erkennbar nutzlos“ eingestuft. Das Unternehmen hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Aufnahme in die Warnliste Geldanlage durch Stiftung Warentest

Infolge des Urteils nahm die Stiftung Warentest im Juli 2023 das Internetportal Finanzen.de in ihre offizielle Warnliste Geldanlage auf. Begründet wurde dieser Schritt mit der unklaren Auswahl und fehlenden Qualifikationsprüfung der vermittelten Berater. Auch die mangelnde Bereitschaft des Unternehmens, Maßnahmen zur Verbesserung offenzulegen, wurde deutlich kritisiert.

Laut Stiftung Warentest habe Finanzen.de auf konkrete Nachfragen zur Qualitätssicherung keine verwertbaren Informationen geliefert. Angesichts der wiederholten Vermittlung fragwürdiger Firmen – darunter nicht nur die Euro Concept AG, sondern auch weitere Anbieter wie PROKON – sei ein klarer Hinweis für Verbraucher unerlässlich gewesen. Das Urteil und die Warnung sollen Kunden sensibilisieren, bei der Nutzung solcher Finanzportale besonders aufmerksam zu sein.

Fragwürdige Unabhängigkeit und Auswahl der Finanzexperten

Das Geschäftsmodell von Finanzen.de basiert auf der Vermittlung sogenannter Finanzexperten, die Kontakt zu Interessenten aufnehmen sollen. In der öffentlichen Darstellung betont das Portal die unabhängige und qualifizierte Beratung durch geprüfte Versicherungsexperten. Doch die tatsächliche Auswahl der Berater erfolgt nicht transparent.

Wie im Urteil des Landgerichts Berlin deutlich wurde, wurde in einem konkreten Fall ein Anbieter vermittelt, der keine unabhängige Beratung durchführte, sondern ausschließlich eigene Beteiligungen vertrieb. Auch die Stiftung Warentest bemängelte, dass das Unternehmen keine nachvollziehbaren Angaben zur Prüfung der fachlichen Eignung der vermittelten Experten machte. Laut Gericht waren die angeblich eingesetzten Prüfkriterien „erkennbar nutzlos“.

Da Leads über die Plattform an externe Vermittler verkauft werden, ohne dass für die Nutzer klar ersichtlich ist, wie deren Qualifikation geprüft wird, stellt sich die Frage, ob Finanzen.de tatsächlich den Anspruch erfüllt, seriöse und unabhängige Berater zu vermitteln – oder ob die Plattform vor allem dem wirtschaftlichen Interesse am Leadverkauf dient.

Datenschutz und Datenweitergabe: Wie sicher sind Ihre Informationen?

Doch nicht nur die Frage nach der Unabhängigkeit der Finanzberater lässt Verbraucher stutzig werden. Auch hinsichtlich des Datenschutzes gibt es Zweifel. Wer sich auf Finanzen.de registriert, muss persönliche Daten wie Name, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Angaben zum gewünschten Finanzprodukt angeben. Diese Informationen werden vom Portal genutzt, um passende Berater aus dem eigenen Netzwerk zu vermitteln. Dabei ist zu beachten, dass Finanzen.de als Leadanbieter agiert – das bedeutet: Ihre Angaben werden als sogenannter Lead an externe Dienstleister verkauft, die anschließend Kontakt aufnehmen.

Diese Praxis wirft datenschutzrechtliche Fragen auf. Zwar informiert die Seite in ihrer Datenschutzerklärung über den Umgang mit Nutzerdaten, doch viele Verbraucher empfinden die tatsächliche Weitergabe als intransparent – insbesondere wenn innerhalb kurzer Zeit mehrere Anrufe oder E-Mails erfolgen. Die Kritik konzentriert sich dabei weniger auf einen möglichen Datenmissbrauch, sondern auf die mangelnde Kontrolle darüber, wer Zugriff auf die Daten erhält und nach welchen Kriterien dieser ausgewählt wurde.

Für alle, die ihre sensiblen Informationen nur in vertrauenswürdige Hände geben möchten, ist es daher ratsam, sich vorab intensiv mit den Datenschutzrichtlinien und der Struktur dieses Internetportals auseinanderzusetzen.

Tipps für Verbraucher: Worauf Sie bei der Nutzung achten sollten

Bei Finanzen.de handelt es sich nicht um ein klassisches Vergleichsportal, sondern um eine Leadbörse. Ihre Daten werden an externe Berater weitergeleitet, die auf eigene Rechnung Kontakt mit Ihnen aufnehmen. Daher ist es besonders wichtig, bei der Auswahl des richtigen Ansprechpartners genau hinzusehen – ganz gleich, ob dieser über Finanzen.de oder auf anderem Wege vermittelt wurde.

Folgende Tipps helfen Ihnen, fundierte Entscheidungen zu treffen und die Qualität der Beratung besser einzuschätzen:

  1. Lesen Sie die Datenschutzerklärung gründlich: Informieren Sie sich darüber, wie Ihre personenbezogenen Daten verarbeitet werden und an wen sie weitergegeben werden dürfen.
  2. Geben Sie nur notwendige Angaben preis: Reduzieren Sie Ihre Daten auf das Wesentliche, bevor Sie wissen, wer Sie kontaktiert.
  3. Prüfen Sie die Identität und Qualifikation des Beraters: Fragen Sie nach Nachweisen, etwa zur Zulassung nach § 34d GewO oder zur fachlichen Spezialisierung.
  4. Recherchieren Sie den Anbieter selbstständig: Nutzen Sie Bewertungsplattformen, Google-Rezensionen oder das Vermittlerregister, um mehr über den Hintergrund Ihres Kontakts zu erfahren.
  5. Dokumentieren Sie jede Kommunikation: Notieren Sie Gesprächsinhalte und speichern Sie E-Mails – besonders bei komplexen Themen wie Altersvorsorge oder Geldanlage.
  6. Vermeiden Sie voreilige Entscheidungen: Lassen Sie sich nicht zu schnellen Käufen oder Abschlüssen drängen. Holen Sie im Zweifel eine zweite Meinung ein.
  7. Lesen Sie unabhängige Testberichte: Institutionen wie die Stiftung Warentest bieten fundierte Informationen zu Produkten, Anbietern und aktuellen Risiken.
  8. Hinterfragen Sie das Vergütungsmodell: Klären Sie, ob der Berater provisionsbasiert arbeitet oder ob versteckte Kosten entstehen können.

Mit diesen Hinweisen können Sie besser einschätzen, ob ein Finanzexperte wirklich unabhängig berät – oder ob wirtschaftliche Eigeninteressen im Vordergrund stehen. Das gilt für Portale wie Finanzen.de ebenso wie für andere Anbieter am Markt.

Nutzen Sie Finanzen.de mit Vorsicht und hinterfragen Sie Angebote

Finanzen.de wirbt mit einem schnellen Zugang zu Finanzberatern, Versicherungen und Finanzprodukten, arbeitet dabei jedoch nicht wie ein klassisches Vergleichsportal, sondern als Leadbörse. Das Geschäftsmodell basiert auf der Weitergabe von Daten an externe Berater, deren Qualifikation und Unabhängigkeit für Verbraucher nicht transparent nachvollziehbar ist.

Angesichts rechtlicher Auseinandersetzungen, kritischer Bewertungen bei Trustpilot und der Aufnahme in die Warnliste Geldanlage durch die Stiftung Warentest sollte die Nutzung der Plattform gut überlegt sein. Wer sich für eine Beratung über Finanzen.de entscheidet, sollte sich umfassend informieren, sorgfältig vergleichen und die vermittelten Kontakte kritisch prüfen.

Die Entscheidung für ein Finanzprodukt oder eine Versicherung hat langfristige Folgen. Eine fundierte Auswahl des richtigen Ansprechpartners ist daher ebenso entscheidend wie die Transparenz und Seriosität des Anbieters – unabhängig davon, über welches Internetportal der erste Kontakt zustande kam.

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